Viele Schüler wissen es nicht: Bei zwei deiner fünf Abiturprüfungsfächer kannst du selbst entscheiden, ob du mündlich oder schriftlich geprüft wirst. Diese Wahl ist keine Formsache – sie kann darüber entscheiden, ob du in deiner Stärke geprüft wirst oder unnötig Punkte liegen lässt. Und die Entscheidung muss früher fallen, als die meisten denken.
Die Grundregel: Deutsch oder Mathe
Für deine mündlichen Prüfungsfächer (das sogenannte Kolloquium) gilt eine zentrale Einschränkung: Du kannst entweder Deutsch oder Mathematik mündlich prüfen lassen – niemals beide gleichzeitig.
Der Grund: Mindestens zwei deiner Prüfungsfächer müssen auf erhöhtem Niveau schriftlich geprüft werden, und Deutsch und Mathe zählen dabei zu den zentralen Leistungsfächern der Oberstufe.
Welche Fächer für die mündliche Prüfung infrage kommen
Neben einem der beiden Fächer Deutsch oder Mathematik sind grundsätzlich wählbar:
Moderne oder spätbeginnende Fremdsprachen
Naturwissenschaften: Biologie, Chemie, Physik, Informatik
Gesellschaftswissenschaftliche Fächer: Geschichte, Ethik/Religion, Erdkunde, Politik und Gesellschaft
Kunst oder Musik – aber nur auf grundlegendem Niveau. Wer Kunst oder Musik auf erhöhtem Niveau belegt hat, muss dort schriftlich geprüft werden.
Sport – hier läuft die Prüfung als eigenes Seminarformat mit einem mündlich-theoretischen und einem praktischen Teil.
Diese Bandbreite eröffnet mehr Spielraum, als vielen bewusst ist- Gerade wer in einem Fach mündlich stärker ist als schriftlich, sollte die Liste genau durchgehen.
Wichtige Frist
Die Wahl der mündlichen Prüfungsfächer muss spätestens sechs Wochen vor Beginn der schriftlichen Abiturprüfungen feststehen. Das klingt nach viel Vorlauf – ist es in der Praxis aber oft nicht, weil die Entscheidung mitten in eine ohnehin dichte Phase der Qualifikationsphase fällt. Wer sie erst kurz vor der Frist trifft, entscheidet oft aus Zeitdruck statt aus echter strategischer Überlegung. Die Wahrnehmung kann außerdem von den zuletzt besprochenen Themen getrübt sein - empfand man die letzten Themen als besonders schwer, könnte man zu schnell dazu tendieren, ein Fach auszuschließen. Dass man die übrigen Themen der letzten Jahre aber grundsätzlich als leicht zu bewältigen empfand, wird dann in der Entscheidungsdrucksituation schnell übersehen.
Wie du die Entscheidung sinnvoll angehst
Früh anfangen zu vergleichen: Schon zu Beginn des letzten Kurshalbjahres einen ehrlichen Blick auf die eigene Stärke in Klausuren vs. mündlicher Mitarbeit werfen – nicht erst kurz vor der Frist.
Nicht nur nach Sympathie fürs Fach entscheiden: Ein Fach, das man mag, ist nicht automatisch das Fach, in dem man mündlich am stärksten ist.
Kunst/Musik-Sonderregel im Kopf behalten: Wer hier auf erhöhtem Niveau unterwegs ist, hat diese Option ohnehin nicht – das sollte in die Fächerwahl der Oberstufe von Anfang an einfließen.
Bei Unsicherheit gezielt üben: Freies Sprechen und Strukturieren unter Zeitdruck lässt sich trainieren – anders als reines Fachwissen braucht das aber Vorlauf.
Immer noch unsicher: Unser Fragebogen hilft
Dann musst du die Entscheidung nicht nur aus dem Bauch heraus treffen. Mit meinem kostenlosen Entscheidungsbogen zur Wahl des mündlichen Abiturfachs kannst du bis zu drei Fächer direkt miteinander vergleichen. Anhand von zehn konkreten Fragen – zum Beispiel zu deiner Mitarbeitsnote, deinem Umgang mit Nachfragen und deinem Interesse am Fach – vergibst du Punkte und erhältst am Ende dein persönliches Ranking.
→ Fragebogen herunterladen, Fächer eintragen und herausfinden, welches am besten zu dir als mündliches Prüfungsfach passt.
Mündliche Prüfung - Fächerwahl.pdf
Diese Wahlmöglichkeit ist eine der wenigen Stellschrauben im Abitur, bei denen du selbst aktiv Einfluss auf deine Prüfungssituation nehmen kannst. Wer sie bewusst und rechtzeitig nutzt, geht spürbar entspannter in die letzte Phase vor dem Abitur.
Unsicher, ob mündlich oder schriftlich für dich die bessere Wahl ist? Gerne schaue ich mir das gemeinsam mit dir an – auf Basis deiner tatsächlichen Stärken, nicht nur nach Bauchgefühl.