5 häufige Fehler: Formulierung von Aufsätzen
Ein guter Aufsatz zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er möglichst kompliziert klingt. Viel wichtiger sind präzise Formulierungen, nachvollziehbare Gedankengänge und ein sicherer Umgang mit dem untersuchten Text. Trotzdem schleichen sich beim Schreiben immer wieder typische Fehler ein. Die folgenden Beispiele sehen wir immer und immer wieder in unseren Nachhilfestunden. Dabei sind sie leicht zu vermeiden!
Erkennst du den Fehler? Scrolle erst weiter, wenn du kurz überlegt hast! Tipp: Hier hat sich nicht nur ein Fehler eingeschlichen.
Fehler Nr. 1
Die Aufgabenstellung ist dem Leser bereits bekannt. Deshalb muss im Aufsatz nicht angekündigt werden, was im nächsten Schritt geschieht. Solche Formulierungen verbrauchen Platz, ohne eine inhaltliche Aussage über den Text zu treffen. Wenn die eigentliche Analyse erst ausführlich anmoderiert werden muss, beginnt sie zu spät.
Besser: Beginne direkt mit einer konkreten Aussage über das Gedicht:
„Das Gedicht thematisiert den zunehmenden Verlust menschlicher Nähe in einer von Anonymität geprägten Großstadt.“
Fehler Nr. 2
In einem sachlichen Aufsatz sollte die Ich-Perspektive vermieden werden. Eine Aussage wird nicht überzeugender, nur weil sie mit „Ich denke“ oder „Meiner Meinung nach“ eingeleitet wird. Entscheidend ist, dass sie am Text belegt und nachvollziehbar erklärt werden kann. Daher sollten Ich-Formulierungen grundsätzlich vermieden werden.
Findest du den Fehler, bevor du weiterliest?
Fehler Nr. 3
Wörter wie „vermutlich“, „wahrscheinlich“, „vielleicht“ oder „womöglich“ lassen eine Interpretation schnell unsicher wirken. Sie vermitteln den Eindruck, dass der Verfasser seiner eigenen Aussage nicht vertraut. Zwar sind literarische Deutungen selten absolut beweisbar, sie sollten aber dennoch überzeugend formuliert und durch konkrete Textbelege abgesichert werden.
Besser: Formuliere eine klare Deutung und begründe sie am Text:
„Die wiederholte Beschreibung der Leere verdeutlicht die Traurigkeit des lyrischen Ichs und seine zunehmende Entfremdung von der Umwelt.“
Hier ist einiges schief gelaufen - aber was? Wie viele Fehler findest du?
Fehler Nr. 4
Diese Behauptung kann durchaus richtig sein, bleibt ohne einen passenden Textbeleg und dessen Deutung jedoch unbegründet. Eine Analyse sollte dem Dreischritt aus These, Beleg und Deutung folgen: Zunächst wird eine Aussage formuliert, anschließend mit einer Textstelle belegt und schließlich im Hinblick auf ihre Bedeutung erklärt.
Besser: Verbinde alle drei Schritte miteinander:
„Das lyrische Ich fühlt sich zunehmend eingeengt. Dies zeigt sich in der Beschreibung der Häuser als ‚drohende Mauern‘ (V. 12). Das bedrohlich wirkende Bild lässt die Stadt wie ein Gefängnis erscheinen und verdeutlicht damit die empfundene Ausweglosigkeit.“
Fehler Nr. 5
Die Aussage gibt eine Information über den Text wieder, nennt aber weder ein Zitat noch eine Versangabe. Dadurch kann der Leser nicht nachvollziehen, worauf die Behauptung beruht. In einer Analyse müssen zentrale Beobachtungen am Text belegt werden. Das gilt sowohl für wörtliche Zitate als auch für sinngemäße Wiedergaben.
Besser: Belege die Aussage mit einer konkreten Textstelle:
„Das lyrische Ich fühlt sich von seinen Mitmenschen ausgeschlossen, da diese als ‚fremde Gesichter‘ (V. 14) beschrieben werden.“
Auch eine sinngemäße Wiedergabe benötigt eine Quellenangabe:
„In der zweiten Strophe beschreibt das lyrische Ich seine zunehmende Abgrenzung von den Menschen in seiner Umgebung (vgl. V. 7–12).“